Ferienresorts, Erlebnisbäder, Einkaufszentren - eine Millionen-Abzocke?

Flensburg: Trigon / C + T Development Südermarkt-Passage (Flensburg-Galerie)

Quelle: Flensburger Tageblatt 22.01.2004

Patient tot oder nur im Koma?

Große Sorge und wenig Optimismus nach vorläufigem Aus für die Passage

Flensburg (kri/mei/pop) - Selbst der Passagengegner war "erschrocken", als er von dem vorläufigen Aus des Projektes hörte. Friedemann Ohms sieht den Tiefpunkt in der Ära der Passagenplanung ohne Häme, sondern mit großer Sorge. "Wir stehen jetzt vor einem Desaster", so der Sprecher der Bürgerinitiative zum Erhalt der Stadtbücherei, weil viele Geschäftsleute aus Furcht vor der Südermarkt-Passage schon abgewandert seien oder entsprechende Pläne hegten. Wie berichtet, hatte der Investor C+T am Dienstag mitgeteilt, dass die Finanzierung für den Bau der Südermarkt-Passage geplatzt sei.

Falls es einen "Plan B" für die jetzt eingetretene Situation gebe, was er bezweifle, sei es an der Zeit, ihn aus der Schublade zu holen und zur Diskussion zu stellen. "Ich kann nicht beurteilen, ob der Patient noch im Koma liegt oder schon tot ist", meinte Ohms zum Planungsstand. Er befürchte jedoch, "dass es jetzt monate- oder sogar jahrelange Wiederbelebungsversuche" geben werde.

Karl-Heiner Schmidt, Geschäftsführer von Karstadt und Vorsitzender der IG-Innenstadt, ist nach den bisherigen Berichten zur Südermarkt-Passage "skeptisch, ob das Projekt noch mit Trigon zu realisieren ist". Ob sich ein neuer Investor finden werde, sei schwer abzuschätzen. Das Karstadt-Projekt sei durch die Entwicklung der Südermarkt-Passage nicht berührt: Die Erweiterung werde weiter verfolgt.

Lothar Raasch von der Industrie- und Handelskammer hält die Nachricht vom vorläufigen Aus der Planung für eine schlechte Nachricht. "Wir haben uns mit unserer Position zur Passage schwer getan, am Ende aber die Chancen höher bewertet als die Risiken. Jetzt muss ein Signal für den Einzelhandel her. Der will wissen, wie es in Flensburg weiter geht. Ende des Jahres, wenn die Verträge auslaufen, könnte es dafür schon fast zu spät sein!"

Nicht ganz unerwartet kam der Planungsstopp für Ulf von Finthel, Geschäftsführer von Peek & Cloppenburg. Er hoffe, dass bald eine eindeutige Entscheidung fallen wird, denn "das Hick-Hack tut der Stadt nicht gut, es besteht keine Planungssicherheit mehr", so von Finthel. "Viele notwendige Investitionen werden hinausgeschoben".

"Einfach nur froh" ist Herrenausstatter Broder Beck. "Wir sind hier zu weit vom Schuss; die Passage wäre eine enorme Konkurrenz für uns", sagte Verkäufer Kai Köhsel. Auch sein Chef findet: "Flensburg braucht keine weitere Einkaufspassage."

"Eine so große Passage wäre für den Einzelhandel in der Innenstadt eine Katastrophe", da sie die Strukturen zu stark beeinträchtige, meint Ulf Hansen von "Bücher Rüffer". "Die kleinen Höfe würden sterben." Er räumt aber ein, dass in der Tat ein großer Elektromarkt fehle. Die Umsatzerwartungen seien aber von Anfang an unrealistisch gewesen. "Ich denke daher nicht, dass es funktionieren wird, noch Investoren zu finden".

Ähnlich sieht das Peter Kruse von der gleichnamigen Galerie. "Da keine motivierten Mieter und nicht genügend Kundschaft vorhanden sind, fehlen die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Passage".