Ferienresorts, Erlebnisbäder, Einkaufszentren - eine Millionen-Abzocke?

CampusBad Flensburg

Flensburger Tageblatt 15. März 2010

Rosen, Sekt und Bauchklatscher

Abschied mit Wehmut vom Hallenbad: Hunderte Flensburger nutzten den freien Bade- und Saunatag

Flensburg

Das war’s. 46 Jahre lang war es an der Bahnhofstraße für Spaß und Ertüchtigung zuständig, am Sonnabend erlebte das alte Hallenbad zum Dienstschluss einen feucht-fröhlichen Kehraus. Bei freiem Eintritt kamen am Sonnabend Hunderte von Flensburgern zum Abbaden. Für viele ein Abschied mit Wehmut.

Terrazzo- und Kacheloptik, die Waschbetonfassaden - das alles hat sich über die Jahre einen gewissen Kultstatus erarbeitet. Flensburgs Badeanstalt gab sich stets volksnah und ausgesprochen preisgünstig - diesen Status muss sich das neue Bad auf dem Campus, das am 26. März eröffnet, erst noch erarbeiten. Maren Denker, auf Abschiedsrunde mit Freund Mario und den Kindern Leonis, Rebecca und Connor, sagte am späten Nachmittag leise Servus. "Es war wie unser zweites Badezimmer. Wir waren über Jahrzehnte regelmäßig zum Schwimmen hier. Die ganze Familie. Für weniger als zehn Euro. Den ganzen Tag!"

Im gechlorten Nass tummelten sich nicht nur Familien zum Zeitvertreib. Hier zog gelegentlich auch Sandra Völker - Weltrekordlerin und Silbermedaillengewinnerin - ihre Bahnen. Petra Obermark (ehemals Funke) ebenfalls. Das gute alte Hallenbad war sozusagen die Keimstätte der international erfolgreichen Synchronschwimmstaffel des TSB Flensburg.

Anders als die "Synchros" haben hier Hans-Dieter Berg und seine "Frühschwimmerfreunde Flensburg" Hunderte von Kilometern eher unter Ausschluss der Öffentlichkeit zurückgelegt. Über Jahre sind sie regelmäßig und früh morgens dabei - Zukunft ungewiss. Denn das streng betriebswirtschaftlich rechnende Campusbad kann sich Frühschwimmer nicht leisten. Und die Stadt nicht den Zuschuss an den privaten Betreiber. Ein halbes Jahr noch wird das Frühschwimmen gefördert, dann wird abgerechnet. "Für Nischen-Gruppen wie unsere war der Informationsfluss sehr zäh", sagt der pensionierte Lehrer. Die Frühschwimmer nahmen schon am Freitag Abschied. Mit frischen Brötchen, Mandelhörnchen und Kaffee in der unverwechselbaren Eingangshalle.

Für den Rest gab es am Sonnabend einen Malwettbewerb, Spiele, Spaß und Animationen - und natürlich einen Sprungwettberwerb. Die TSB-Synchros verabschiedeten sich mit einer kleinen Gala-Vorführung und dann war er auch gekommen, der unausweichliche Moment, wo das alte Bad schließt, die Schwimmmeister Caroline Grüschner, Jens Popke, Iris Grothe, Jörg Bartsch und Michael Jordt Klarschiff machen und den Stöpsel ziehen. Auch für die städtischen Beschäftigten, die künftig auf dem Campus für Sicherheit und den Betrieb zuständig sein werden, war es ein besonderer Tag. Dieser letzte Tag im alten Kachelbau. Iris Grothe jedenfalls hatte Sonnabend um 17 Uhr das letzte Wort: "Vielen Dank für die für die schöne Zeit im Hallenbad!"

Wolfgang Borm

 


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