Thermalbad Bad Oldesloe
Stormarner Tageblatt 26. April 2006
Erwartetes Ja zum Thermalbad
Die Entscheidung war deutlich: Mit 15 zu sechs Stimmen bei einer Enthaltung sprachen sich die Stadtverordneten für die Ausschreibung des Thermalbadbaus aus. Die Einleitung des Verfahrens verpflichtet auch zum Bau.
Bad Oldesloe
- Der Moment wird vermutlich in die Geschichtsbücher der Stadt eingehen: Montagabend, 21.34 Uhr verkündete Bürgerworthalter Dr. Wolfgang Böge das Ergebnis: Mit 15 Ja-Stimmen votieren die Stadtverordneten von CDU und FDP wie erwartet für eine europaweite Ausschreibung des Thermalbadbaus. Uwe Rädisch enthält sich der Stimme, SPD und Grüne sind dagegen. Der Entscheidung war eine mehr als einstündige Debatte vorausgegangen.
Der Finanzausschuss hatte seine Beratungen erst kurz vor Beginn der Sitzung abgeschlossen. Entsprechen gibt es innerhalb der Fraktionen noch Beratungsbedarf. Versammlungsleiter Böge verschiebt den Sitzungsbeginn kurzerhand. Als es dann endlich los geht, preschen SPD und Grüne mit einem Dringlichkeitsantrag voran. Sie wollen vor dem Beschluss zur Ausschreibung die Bürger befragen. Mit diesem Weg werde das Ausschreibungsverfahren nicht verzögert und Schaden von der Stadt abgewendet. Dem stimmt auch die FDP zu, aber die CDU hat trotzdem mehr Stimmen und schmettert den Antrag ab.
Beim Austausch der Argumente kommt nichts Neues zu Tage. Die bereits bekannten Positionen werden nochmals in aller Ausführlichkeit ausgetauscht. Eine Stadt wie Bad Oldesloe braucht ein Hallenbad. Die alte Halle sei aber absolut nicht attraktiv - trotz niedrigster Eintrittspreise gehen die Besucherzahlen zurück. Der Zuschussbedarf des Bades wird kontinuierlich steigen. Der Neubau biete hingegen verschiedene Vorteile: Ein festgeschriebener Zuschuss, ein attraktives Bad auf dem neuesten Stand der Technik, endlich Leben im Gewerbegebiet Sandkamp (die Rede ist von bis zu 100 Arbeitsplätzen) und eventuell sogar Nutzungskonzepte für das Hotel sowie die Sporthalle. Karl-Reinhold Wurch (FDP): "Der gesunde Menschenverstand sagt, dass ein 30-jähriges Hallenbad ein Euro-Grab ist."
Grüne und FDP sind sich in ihrer Forderung nach einem Bürgerentscheid einig. Gerold Rahmann wirft der CDU vor: "Sie gehen davon aus, dass die Bürger immer negativ entscheiden oder nicht in der Lage sind, weit reichende Entscheidungen zu treffen. Das kann offensichtlich nur die CDU." Wurch sieht das ähnlich: "Der Bürger wäre dumm, wenn er einem guten Angebot nicht zustimmen würde." Er hält den Zeitpunkt für einen Bürgerentscheid aber für verfrüht. Ihm scheint es sinnvoller, erst abzustimmen, wenn Angebote vorliegen.
Die SPD sieht noch Klärungsbedarf, was aus dem alten Hallenbad werden soll. Die Sozialdemokraten haben auch Zweifel, ob wirklich schon alle Möglichkeiten für die bestehende Halle ausgelotet sind. Hagen von Massenbach: "Andere Städte machen uns vor, wie man alte Anlagen zu neuem Ruhm führt."
Seitens der Grünen sieht man die Gefahr, dass die Finanzierungsverpflichtung über die 30 Jahre die Entscheidungsspielräume der Stadt zukünftig einenge. Gerold Rahmann: "Es besteht die Gefahr, dass das Thermalbad geschlossen wird, aber die Belastung weiter läuft." Hagen von Massenbach warnt vor Investoren, die auf Entscheidungen drängen: "Das Trave Center sollte schon längst gebaut sein, stattdessen ist es in dem Bereich nicht mal mehr möglich, vernünftig zu parken."
In CDU-Sprecher Rainer Fehrmann rumorte es: "Man kann der Meinung sein, dass es Kräfte gibt, Oldesloe zu einer Schlafstadt zu machen." Die wollten am liebsten eine Mauer um die Stadt ziehen, junge Familien abweisen und in Hamburg und Lübeck einkaufen. "Das ist nicht die Haltung der CDU, sondern die der Wir-sind-gegen-alles-Partei", sagte er in Anspielung auf die nächste Bürgerinitiative, die kurz vor der Gründung steht.
Für Fehrmann ist unstrittig: "Das ‚Bad‘ im Stadtnamen könnte sich von der Worthülse zum Qualitätsbegriff entwickeln."
Andreas Olbertz
Presse Therme Bad Oldesloe
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