Ferienresorts, Erlebnisbäder, Einkaufszentren - eine Millionen-Abzocke?

Thermalbad Bad Oldesloe

Stormarner Tageblatt 22. April 2006

Aufruf zum Bürgerbegehren für Hallenbad

Das Interesse an Informationen zum Thermalbad lässt nach. Zum zweiten Termin waren fast ausschließlich die Gegner gekommen.

Bad Oldesloe

- Zwei Mann gegen den Rest des Saals - auf diese Kurzformel lässt sich die zweite Informationsveranstaltung in Sachen Thermalbad bringen. Die Festhalle war zwar deutlich weniger gefüllt als beim ersten Termin, aber immer noch zu gut zwei Dritteln. Bis auf eine kleine Fraktion der CDU hinten in der Ecke standen alle im Saal dem Neubauprojekt überwiegend kritisch gegenüber.

Bürgermeister Tassilo von Bary referierte ausführlich, was hinter den Kulissen seit der erste Information passiert ist. So habe beispielsweise ein Gespräch mit der Kommunalaufsicht stattgefunden. Das sei sehr positiv verlaufen. "Eine Stadt wie Bad Oldesloe ohne Hallenbad kann man sich dort nicht vorstellen", führte der Verwaltungschef aus. Ein Wirtschaftlichkeitsvergleich sei in Auftrag gegeben und Gespräche mit Geschäftsleuten, Gastronomen und Vertretern aus dem Gesundheitsbereich hätten ebenfalls stattgefunden. Der Bürgermeister stellte die erweiterten Anforderungen an die europaweite Ausschreibung vor, die im Finanzausschuss zusammengetragen wurden. Dazu zählte nicht nur, das Schul-, Vereins und Frühschwimmen, der Betrieb des Freibades Poggensee, das angemessene Eigenkapital der zu gründenden Betreibergesellschaft sondern auch die Forderung, als Alternative die Sanierung des bestehenden Bades anzubieten. Mittlerweile wissen Politik und Verwaltung allerdings, dass gerade das nicht zulässig ist. Darauf ging der Bürgermeister aber nicht weiter ein.

Auch Anwalt Dr. Thomas Ax, dessen Kanzlei die Ausschreibung vorbereiten und begleiten soll, sah sich nicht genötigt, diesen Punkt explizit klar zu stellen. Es fielen zwar Begriffe wie "konkrete Vergabeabsicht", "keine Markterkundung", dem Gros der Zuhörer dürfte die Tragweite allerdings nicht klar gewesen sein.

Erst als Birgit Papke-Seutter ganz konkret nachfragte, gingen die beiden Referenten darauf näher ein. Wenn die Stadtvertreter am Montag beschließen sollten, die Ausschreibung einzuleiten, muss das Thermalbad gebaut werden. Nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen kommt die Stadt da wieder raus, ohne Schadenersatz leisten zu müssen. Für Birgit Papke-Seutter steht deshalb fest: "Da bleibt uns Bürgern nur, sofort ein Bürgerbegehren einzuleiten, weil wir dann nur sechs Wochen Zeit haben." Unter dem Motto: "Was können wir als Bürger tun?" lädt sie deshalb am Donnerstag, 19.30 Uhr zu einer Versammlung ins Restaurant der Schwimmhalle ein.

Bei fast allen Fragern stand im Mittelpunkt, ob wirklich sämtliche Möglichkeiten für das alte Bad geprüft worden sind. Für von Bary ist das kein Thema mehr. Er präsentierte eine Grafik, die den zukünftigen Zuschussbedarf zeigt. Unternimmt die Stadt nichts am Bad, muss sie in 30 Jahren satte 1,5 Millionen jährlich zubuttern. Selbst bei einer Steigerung der Attraktivität bliebe ein Defizit von 1,1 Millionen - Tendenz steigend. Dem gegenüber stehe ein fester Zuschuss für das Thermalbad. Der soll durch die Ausschreibung so niedrig wie möglich gehalten werden. Anwalt Ax: "Mit der alten Bad-Infrastruktur werden Sie langfristig nicht glücklich. Es kommt darauf an, es mal zu probieren."

Andreas Olbertz

Presse Therme Bad Oldesloe

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